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Beitrag über Naser Zarafshan -
Für HR 2 -
Informationen zur Anmoderation:
Im November und Dezemnber 1999 wurden Parvaneh und Daryush Foruhar, Mohammad
Mokhtari und Mohammad Djafar Pujandeh ermordet. Das Informationsministerium
hat nach langem Zögern gestanden, eine "eigenwillig handelnde
Gruppe" von Geheimdienstlern habe die Morde begangen.
Vor ein paar Tagen wurde der Anwalt der Nebenkläger, Zarafschan,
zu fünf Jahren Haft und 70 Peitschenhieben verurteilt.
Es war das erste Mal in der iranischen Geschichte, dass die Regierung
offiziell die Mitarbeiter des Informationsministeriums wegen politisch
motivierter Morde verhaften ließ!
Beobachter sahen darin ein Zeichen des politischen Wandels, den Mohammad
Khatami zwei Jahre zuvor, bei seiner Wahl zum Staatspräsidenten,
angekündigt hatte.
Nun hoffte man auf eine gerechte Strafe der Mörder. Doch dazu kam
es nicht.
Der Hauptangeklagte, Said Emami, ehemals Stellvertretender Informationsminister,
beging im Gefängnis angeblich Selbstmord. Zwei anderen wurde hinter
verschlossen Türen, in Abwesenheit der Nebenkläger, der Prozess
gemacht. Sie bekamen milde Urteile.
Aber der Anwalt der Nebenklage, Naser Zarafschan. gab sich damit nicht
zufrieden. Und das gefiel den Machthabern gar nicht.
O-Ton 1:
Damals wurde mir deutlich zu verstehen gegeben, dass wenn ich mich
nicht aus dem Fall zurückziehe, werde ich Schwierigkeiten bekommen.
Ich habe bereits damals öffentlich über diese Drohungen gesprochen
und habe gesagt, dass ich keinen Rückzug machen werde. Ich habe angekündigt,
meine Pflicht zu tun , und signalisierte meine Bereitschaft, gegebenenfalls
dafür zu zahlen.
Zarafschan sprach öffentlich über den halbherzigen Prozess
und kritisierte dabei die erzkonservative Justiz, die auch den Medien
verboten hatte, über die politischen Morde zu berichten. Der Anwalt
von Familien der Ermordeten hatte in den Akten gravierende Mängel
festgestellt.
O-Ton 2:
Um die Mängel festzustellen, brauchte man keinen geschulten juristischen
Blick . Sie waren für jeden, der sich mit persischen zahlen auskennt,
erkennbar: in den Akten fehlten einfach viele Seiten. Sie waren entwendet
worden. Ich musste entweder meine Augen vor der Wahrheit schließen,
oder die Mängel feststellen und vorhalten.
Zarafschan gab die Mängel bekannt, und beharrte auf einen öffentlichen
Prozess in einem Schwurgericht, möglichst in Anwesenheit internationaler
Beobachter. Dafür wurde er unter Druck gesetzt. Um ihn mundtot zu
machen wurde er mehrfach bedroht, vorgeladen und verhört. All das
inoffiziell.
O-Ton 3:
Es wird behauptet, dass Saiid Emami, Mostafa Kazemi und Mehrdad Alikhani
die ranghöchsten Personen seien, die für die politischen Morde
verantwortlich sind. Wenn das so wäre, müsste man bedenken:
Der erste lebt nicht mehr, der zweite und der dritte sitzen im Gefängnis
und verfügen über keinerlei Macht, Möglichkeiten und Handelsspielräume
mehr. Von wem geht dann dieser massive Druck, die Auseinandersetzung,
Verfolgung und Bedrohung aus? Man darf doch zu dem Schluss kommen, dass
es Mächtige gibt, die ganz empfindlich auf die Aufdeckung der Geheimnisse
um politische Morde reagieren.
Die Serienmorde an Intellektuellen wurden von fast allen offiziellen
Stellen verurteilt. Die Reformisten schoben sie den Erzkonservativen in
die Schuhe, und diese sahen in dem organisierten Morden ein Komplott des
verhassten Westens und Israels. Doch wer, wie Zarafschan, Licht in die
Sache bringen wollte, wurde schikaniert. Einmal wegen Verbreitung von
Unwahrheitn, ein anderes Mal wegen Anstiftung zum Widerstand gegen die
Staatsgewalt, und dann wieder wegen öffentliches Plaudern über
die geheimen Akten des Staates.
O-Ton 4:
Das Gesetz über "Bestrafung der Preisgabe der Staatsgeheimnisse"
besagt: Staatsgeheimnisse sind geheime Informationen rund um staatliche
Institutionen. Wer geheime Dokumente bzw. Aktivitäten eines staatlichen
Organs preisgibt, wird bestraft. Nun müssen diese Herren sich entscheiden:
handelt es sich bei diesen Morden tatsächlich um Aktivitäten
eines staatlichen Organs ? Dann hat der Staat gelogen, als er ankündigte,
die politischen Morde seien von einer "eigenmächtig handelnden
Gruppe" ausgeübt worden. Wenn der Staat die Wahrheit gesagt
hat, kann es doch nicht angehen, dass ich wegen Preisgabe staatlicher
Informationen verurteilt werde.
Zarafschan wurde letzte Woche zu fünf Jahren Haft und 70 Peitschenhieben
verurteilt. Am 8. April wird das Urteil rechtskräftig. In der Urteilesbegründung
steht: "Bekanntgabe der Staatsgeheimnisse, unerlaubter Waffenbesitz,
und Besitz von alkoholischen Getränken".
O-Ton 5:
Diese Dinge wurden nach meiner Festnahme, in meiner Abwesenheit, in
mein Büro getragen. All diese Dinge werden aber nichts nützen.
Denn die Akte der politischen Morde ist keine private Akte, und wird auch
nicht mit meiner Verurteilung geschlossen. Und selbst wenn die 70 Peitschenhieben
ersatzweise zu Geldstrafe umgewandelt werden sollten, werde ich keinen
Cent bezahlen, denn ich bin fest entschlossen, mich dem Unrecht nicht
zu beugen
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