ahmad schamlu

(freie übersetzung / auszug)

onkel claudius

sein oder nicht sein,
das ist nicht die frage,
sondern die versuchung.

der vergiftete wein,
im becher,
das schwert,
durchtränkt von gift,
in der hand des feindes.

all das, ist geplant,
und der vorhang,
wird fallen,
wir wissen wann.

was für ein trug,
was für ein trug,
daß jener,
der durch den schäbigen vorhang der dunkelheit,
das schauspiel betrachtet,
von der katastrophe wissend,
meine tragödie,
wort für wort,
wiedererkannt.

und bezahlt haben sie,
mit münzen aus silber und gold,
um mein leid zu betrachten,
durch den schäbigen vorhang der dunkelheit.

wie könnte ich hilfe suchen,
bei denen, die am ende,
meinem onkel claudius genauso huldigen,
wie mir?

sein oder nicht sein,
das ist keine frage mehr,
sondern eine versuchung,
seit die wahrheit,
wie ein unruhiger, verwirrter geist
mir erschienen ist,
und der gestank dieser welt,
wie der rauch einer fackel,
in gestllten szenen,
meine nase quält.


veröffentlicht in" süddeutsche zeitung"
13.januar 1999

 

ali salehi

 

ich habe nichts getan!
nur in einer gasse,
fern von hier, leuchte in der hand,
den müden nond betrachtet.
es wäre schön,
die geburt des lichtes
zu betrachten
und teilzuhaben
an der freude der menschen,
wenn sie singen.


es wäre schön,
hin und wieder zurückzukehren
zu den fernen erinnerungen,
zu der kindheit,
zu den träumen der blumen.
ich wünsche mir
einen unserer toten,
der auferstanden,
verkündet:
die geburt des lichtes,
die geburt der sterne

veröffentlicht in "die tageszeitung"
13.januar1999

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