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Beitrag
über die Afghanen in Deutschland!
Für WDR5- Morgen Echo - 9.9.2002
Die Soziologin und Frauenrechtlerin Maryam Notten ist hin und her gerissen.
Gern würde sie in ihre Heimat zurückkehren. Der Boden dort ist
ihr aber immer noch heiß:
O-Ton 1 (0,31)
"Ich könnte von meinen Ersparnissen eins, zwei Jahre dort
leben, das wäre kein Problem. Das Problem ist auf gesetzlicher Ebene,
auf Verfassungsebene, dass auch den Frauen eine Gleichberechtigung zugesprochen
wird, dass Frauen auch die Schleier ablegen, ohne Angst zu haben, dass
Frauen mit Männern gemeinsam arbeiten dürfen, und auch alleine
auf die Strasse gehen können, ohne männliche Begleitung, ohne
gefährdet zu sein. Es ist für mich sehr wichtig, was die neue
Verfassung sagt, und ob sie angewendet wird."
Maryam Notten flüchtete 1977 vor den moskautreuen Putschisten nach
Deutschland. Doch sie glaubte, bald wieder zurückkehren zu können.
Aber sie musste bleiben, weil nach den Kommunisten kamen die Islamisten
an die Macht, die nicht viel für Intellektuellen übrig hatten.
Viele afghanische Flüchtlinge haben ein ähnliches Schicksal.
So auch der Dichter und Literaturkritiker Jeilani Labib, der glaubt, dass
man für die Durchsetzung grundlegender Veränderungen in Afghanistan
viel Geduld haben muss. Er ist allerdings skeptisch, ob Leute wie er -,
Dichter, Künstler, Intellektuelle - überhaupt eines Tages am
Aufbau ihres Heimatlandes beteiligt werden, weil:
O-Ton 2 (0,33)
"Von denen, die in Afghanistan im Moment Frieden schaffen wollen,
gerade von denen aus, den Intellektuellen nicht die optimale Möglichkeit
gegeben wird. Die Intellektuellen brauchen Afghanistan, aber Afghanistan
braucht sie um so besser. Mit den ausländischen Entwicklungshelfern
kann man nicht viel ändern. Dass Afghanen das Maßgebende, der
entscheidende Faktor für die Entwicklung Afghanistans sind, das muss
die Weltöffentlichkeit erst verstehen, und so dann auch die Intellektuellen
behandeln."
Es ist nicht leicht, mit ansehen zu müssen, dass die War-Lords, die
sich durch den Krieg bereichert und die Bevölkerung ins Elend gestürzt
haben, auch die Zukunftspläne für das geschundene Land mitgestalten.
Die gebildete Schicht in Afghanistan bleibt aber nicht tatenlos. Seit
dem letzten November sind zahlreiche Organisationen entstanden, die sich
für die Belange der verwitweten Frauen und verstümelten Kinder,
aber auch für Menschenrechte und Gleichberechtigung einsetzen. Auch
Maryam Notten hat sich nicht auf tatenloses Abwarten verlegt:
O-Ton 3 (0,36)
"Gerade in Deutschland gibt es sehr viele Frauenorganisationen,
nicht erst seit dem 11. September, sondern seitdem die Sowjets einmarschiert
sind, sind politische Gruppen, aber auch Frauenorganisationen, die die
ganze Zeit in Afghanistan und Pakistan den Menschen geholfen haben. Sie
tun es immer noch. Zum Beispiel, viele von ihren Projekten bezogen sich
auf diese Untergrundschulen, oder auf Existenzgründung für Frauen.
Und demokratische Frauenorganisationen in Kabul, die unterstützen
wir auch.. Und überhaupt die Öffentlichkeitsarbeit für
diese Organisationen geht ganz selbstverständlich."
Der Dichter Jeilani Labib, weiß, dass Geld das Wichtigste Mittel
ist, was dringend für den Aufbau Afghanistans und die Aufrechterhaltung
des Friedens benötigt wird. Er weiß auch, dass die Gefahr der
schwerbewaffneten War-Lords immer noch nicht gebannt ist, und dass der
Fundamentalismus nicht über Nacht aus den Köpfen verschwindet.
Deshalb wünscht er sich, neben der materiellen Hilfe, auch geistige
Unterstützung für sein Heimatland:
O-Ton 4 (0,32)
"Ich hoffe, dass die Schriftsteller und Künstler in der Bundesrepublik
Deutschland sich darüber Gedanken machen, dass für die Entwicklung
der Kunst, für Veröffentlichung Bücher, für Wiedererlebung
der Kultur in Afghanistan, dass sie auch einen Beitrag leisten können,
denn von hier aus kann die Stimme der Freiheit und der Demokratie in Afghanistan
ein weiteres Gehör finden, und das wird auch etwas bewirken."
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