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Päsentation der iranisch-kurdischen Musikgruppe Kamkarha und
ihre neuesten Cds!
Für Hessischer Rundfunk (hr 2 - Apropos Musik) - Sendetag: 17. Juli
1999
Musik 1 : (8,14´),
- CD 2, T 5
Kommentar auf
Intru: (0,30´)
Sie hören Kamkarha, die bekannteste iranisch-kurdische Musikgruppe.
Kamkarha begeistern mit ihrer rhythmischen Musik Millionen Menschen, jung
und alt, in Iran und außerhalb des Landes.
In den nächsten 85 Minuten stellen wir Ihnen die Gruppe und ihr neustes
CD, eine Produktion vom Hessischen Rundfunk, vor.
Ausschnitte aus ihrem letzten Konzert im Sendesaal des Hessischen Rundfunks.
Mein Name ist Farhad Payar.
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Applaus (0,30´)
voice over:
Kamkarha, das sind 7 Söhne und die Tochter von einem leidenschaftlichen
Musiker. Der 1993 verstorbene Vater, Hassan Kamkar, war kein erfolgreicher
Musiker. Deshalb bestand er darauf, daß seine Kinder nichts anders
tun, als Musik zu spielen und zu studieren. Dazu das dritte Kinder der
Famile, Paschang Kamkar:
O-Ton 1 (0,31´)
Unser Vater war ein guter Musiker. Er war sehr streng zu uns und arbeitete
bis spät in die Nacht mit uns. Natürlcih wollten wir selber
auch Musiker
werden...
Huschang, der älteste und Leiter der Gruppe ist 53 Jahre alt, und
Ardawan, der jüngste, 31.
Huschang hat in Iran, Italien und den Vereinigten Staaten Musik studiert
. Er komponierte in den letzten Jahren zahlreiche kurdische und persischer
Stücke.
Man kann mit Sicherheit sagen, daß nicht nur Huschang, sondern jeder
der acht Geschwister ein Meister der traditionellen iranischen Musik ist.
Die meisten von ihnen haben vereinzelt mit den Größen der iranischen
Musik gearbeitet und sich in den siebziger Jahren einen Namen gemacht.
Doch dann brachte die islamische Revolution im Jahre 1979 einen Einschnitt
in ihrer Karriere.
Um die Gesellschaft zu reislamisieren, haben die Islamisten neben zahlreichen
anderen Maßnahmen auch die Musik verpönt. Einige Hardliner,
wie Ayattolah Khomeini hätten am liebsten die Musik aus der Welt
geschafft, denn für sie war die Musik ein teuflisches Werk, das die
gottesfürchtigen Gläubigern verführt.
Sie hatten nicht unrecht. Wenn man die Begeisterungsschreie der Menschen
im nächsten Stück hört, kann man annehmen, daß Kamkarha
mit ihren zauberhaften Rhythmen die Zuhörer im Sendesaal des Hessischen
Rundfunks ins Reich der Sinne verführen.
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Musik 2: (6.55´)
- CD 2, T 6
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Applaus (voice
over):
Während sich die neuen Herrscher in Iran mit der Reislamisierung
der Gesellschaft abmühten, haben Kamkarha, wie viele andere Musiker,
in ihrem Keller improvisiert, geprobt und heimlich Privatunterricht gegeben.
Damit übten die Musiker indirekten Druck auf die Regierenden aus,
denn ihre verbotenen Musikkassetten waren beliebt und wurden unter der
Hand weitergereicht. Da haben auch Auspeitschungen und Gefängnisstrafen
nicht geholfen.
Die Ayattollahs gaben nach und Kamkarha tauchten 1989 wieder auf.
Anfangs haben sie traditionelle persische Musik gespielt, die keine schnellen
Rhythmen duldet, und deshalb von den trauersüchtigen Moralapposteln
bevorzugt wurde. Doch bekanntlich haben die Menschen unter Diktaturen
eine Vorliebe für das, was von den Machthabern abgelehnt wird. So
haben Kamkarha immer mehr Kassetten und CDs mit überwiegend kurdischer
Musik produziert.
Und bei ihrem letzten Konzert im Sendesaal des Hessischen Rundfunks, von
dem Sie jetzt Ausschnitte hören, haben sie die traditionelle persische
Musik ganz aus ihrem Programm gestrichen.
Dazu die Erklärung des 48jährigen Paschang Kamkar:
O-Ton 2: (0,25´)
Ich glaube, die traditionelle Musik hat sich nicht zum guten entwickeln
können.
Dagegen hat man im Bereich der Folklore Fortschritte gemacht, denn sie
ist
experimentierfähig. Die Tradition engt doch den Musiker nur ein.
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Musik 3: (6,45´)
- CD 2, T 2
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Sie hörten Rasiem
va mardan, ich bin bereit, für dich zu sterben.
Ein Mann schwärmt für die Geliebte: Jeden Morgen, wenn du an
mir vorbei zur Quelle gehst, sterbe ich, nicht einmal, tausendmal, für
dich. Du meine liebste, wie lange noch, soll ich dich vom weiten her betrachten?
Kamkarha singen in
der Regel Liebeslieder. Doch wer den Kampf der Kurden um Autonomie kennt,
weiß, daß ein Kurde nicht immer von Liebe und schönen
Seiten des Lebens singen kann.
Das nächste Lied ist über die Märtyrer und erinnert an
Blutvergießen. Doch es ist keine Wehklage. In mir ruft das Lied
sogar ein angenehmes Gefühl hervor.
Der Titel heiß rote Rose. Der Dichter sieht in jeder roten Rose
im Gebirge oder an Wasserquellen einen Märtyrer. Goli Sur.
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Musik 4: (6,00´)
- CD 1, T 3
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Nun hören wir
von dem jüngsten Mitglied der Gruppe, Ardawan Kamkar, ein Solo-Stück
auf Santoor.
Musik 5: Solo - Instrumental (10,55´)
- CD 2, T 1
(voice over):
Santoor ist dem deutschen Hackbrett ähnlich, hat 72 Metall-Saiten
und wird mit zwei Schlegeln gleichzeitig angeschlagen. Beeinflußt
von der klassischen europäischen Musik entwickelte Ardawan einen
eigenen Stil auf Santoor, indem er mit einer Hand die Akkorde spielt und
mit der anderen die Melodie.
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Phantastische Musik
aus der neuen CD der iranisch-kurdischen Gruppe Kamkarha. Produziert vom
Hessischen Rundfunk.
Kamkarha, das heißt sieben Brüder und eine Schwester. Die einzige
Tochter der Familie, Ghaschang, ist 45 Jahre alt und war viele Jahre mit
Lotfi, einem der bekanntesten Komponisten der iranischen Kunstmusik verheiratet.
Sie spielt Setar, ein Saiteninstrument, das aus einem birnenförmigen
klangkorpus mit einer flachen Decke besteht, die mit kleinen Schallöchern
versehen ist.
Setar hat vier Metallsaiten und wird beim Spielen wie die Gitarre gehalten.
Die Anwesenheit von Ghaschang macht die Gruppe Kamkarha noch sympathischer.
Überhaupt diese Zusammensetzung, das heißt eine Schwester und
7 Brüder in einer Gruppe, ist in der Geschichte der iranischen Musik
einzigartig.
Kamkarha genießen nicht nur in den kurdischen Gebieten Sympathie.
Im ganzen Iran sind sie beliebt. Wenn man bedenkt, daß Iraner seit
Jahrhunderten den Gesang als die höchste und edelste Form der Musik
schätzen, ist es erstaunlich, daß Kamkarha mit ihren kurdischen
Texten, die außerhalb Kurdistans nicht verstanden werden, so erfolgreich
sind. Eine Erklärung dazu hat Paschang Kamkar:
O-Ton 3 : (0,20´)
Die folkloristische Musik aus Kurdistan, Aserbayjan und Kohrasan ist
fröhlich.
Die Menschen lieben fröhliche Musik ...
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Musik 6: (5,40´)
- CD 2, T 4
Der nächste Titel heißt: Deli kam bu, ich hatte mal ein Herz.
Mit der schönen Stimme von dem 50jährigen Bijan Kamkar. Neben
Gesang spielt Bijan ein Schlaginstrument mit dem bündigen Namen Daf.
Daf ist Tamburin sehr ähnlich und hat an der inneren Mantelfläche
kleine Metallringe oder Schellen. Der Daf-Spieler hält das Instrument
mit beiden Händen in der Kopfhöhe und schlägt das Fell
mit seinen Fingern.
Das nächste Stück fängt mit Daf an.
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Musik 7: (5,23´)
- CD 1, T 2
(auf Intro):
Der Klang kann sehr laut sein und den Klang von Melodieinstrumenten übertönen.
Im Hintergrund hören Sie Daf!
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Sie hören Ausschnitte
aus der letzten CD der iranisch-kurdischen Gruppe Kamkarha. Aufgenommen
im Sendesaal des Hessischen Rundfunks.
Kamkarha waren Anfang Mai zur Teilnahme am internationalen Musikfest von
Sardinien nach Italien gereist. Sie nutzten diese Gelegenheit zu einer
Tournee in Deutschland. Vom 16. bis zum 24. Mai hatten sie Konzerte in
Hamburg, Berlin, Bonn, München und Frankfurt.
In den letzten 10 Jahren hat die Gruppe zahlreiche Konzerte im Ausland
gegeben und war auf wichtigen internationalen Musikfestivals, wie Rey
Orient in Schweden und Fire Living in England. Letztes Jahr hatten sie
auf Einladung der französischen Regierung Konzerte in 15 französischen
Städten.
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Musik 8: (6,00´)
- CD 1, T 6
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Wie alle anderen Musiker
durften auch Kamkarha nach der Revolution keine öffentlichen Konzerte
geben. Ihre Musik hörte man auch nicht im Radio oder Fernsehen. Der
Grund: Sie machen fröhliche Musik. Die gottesfürchtigen Ayattollahs
fürchteten sich vor fröhlichen Rhythmen, denn sie würden
angeblich die Menschen vom Allah trennen. Es gab auch andere Argumente
gegen die rhythmische Musik: Zum Beispiel, 8 Jahre Krieg gegen den Irak,
der nur Tod und Verwüstung brachte. Wie könnte man fröhlich
sein?
Aber Not macht erfinderisch. Die Musiker fanden Vorwände, um öffentlich
auftreten zu können, ob zugunsten der Familien von Märtyrern
des Krieges, oder aus Anlaß des 15jährigen Bestehens der islamischen
Republik.
Dazu der 37jährige Ardeschir Kamkar:
O-Ton 4 (0,25´)
Allein im letzten Jahr hatten wir an die 20 Konzerte. Zum Beispiel
ein Konzert in der kurdischen Stadt Sanandaj zugunsten der Nierenkranken,
in Teheran und Babol hatten wir zwei Konzerte zugunsten der krebskranken
Kinder und soweiter.
Ardeschir spielt Kamantscheh,
eines der ältesten iranischen Musikinstrumente . Kamantscheh ist
ein Streichinstrument mit 4 Metallsaiten. Beim Spielen wird es aufrecht
gehalten und vom Oberschenkel des Spielers gestützt.
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Musik 9: (5,00´)
- CD 1, T 1
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Sie hörten Dastam
li madeh, laß mich in Ruhe. Der Mann hat Liebeskummer und möchte,
daß man ihn in Ruhe läßt. Er möchte so bleiben,
wie er ist, verrückt nach der Frau seiner Träume, und traurig.
Es bleibt ihm auch nichts anders übrig, denn die Frau liebt ihn nicht.
Er fürchtet, er würde sie nicht erreichen und im Sterbebett
liegen, ohne sie je angefaßt zu haben. Er möchte in seiner
Einsamkeit an sie denken.
Auch das nächste
Lied handelt von einem Mann, der von der Frau seiner Träume gequält
wird. Er sieht sich als einen Märtyrer. Märtyrer der Liebe.
Er liegt unter dem Baum der Liebe, mit einem Pfeil der Erniedrigung im
Herzen.
Er beklagt sich über die Frau, weil sie ihn nicht geliebt, ja nicht
einmal ernst genommen hat.
Deli kam bu, ich hatte mal ein Herz.
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Musik 10: (5,10´)
- CD 1, T 5
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Von den Instrumenten,
die im letzten und nächsten Stück benutzt werden, hat Barbat
eine interessante Geschichte. Barbat wurde schon vor dem Überfall
der Araber vor 1400 Jahren im Iran gespielt, erlebte aber seine Blütezeit
im 8. und 9. Jahrhundert, als die persischen Melodien am Hofe der arabischen
Kalifen sehr populär waren. Damals hieß das Instrument Al Ud,
zu Deutsch, Aoenholz. Barbat oder Al Ud kam in der Zeit der Kreuzzüge
nach Europa. Aus Al Ud wurde in Spanien Laud, im Deutschen Laute, im Italienischen
Leuto und im Französischen Luth. Barbat hat 10 Saiten aus Darm oder
Kunststoff.
In der Gruppe Kamkarha spielt Arsalan Kamkar dieses Instrument.
Neben Barbat, Santoor, Kamantscheh, Setar und Daf hörten Sie den
Klang vom Dombak, das wichtigste Schlaginstrument in der iranischen Musik.
Der Resonanzkörper von Dombak besteht aus zwei zylindrischen Trommeln
von unterschiedlichem Durchmesser.Die obere Trommel wird mit einem dicken
Tierfell bespannt. Beim Spielen ruht der Domback auf dem Oberschenkel
und wird mit einem Arm des Spielers festgehalten. Im Deutschen wird Dombak
Kelchtrommel genannt.
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Musik 11: (4,20´)
- CD 1, T 4
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Sie hörten Ausschnitte
aus dem letzten Konzert der iranisch-kurdischen Gruppe Kamkarha. Das Konzert
fand am 23. Mai im Sendesaal des Hessischen Rundfunks statt. Sie können
es jetzt auf 2, vom Hessischen Rundfunk produzierten CDs, erhalten.
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Musik 12: (0,20´)
- CD 2, T 1
(voice over):
Ich bin Farhad Payar und wünsche Ihnen weiterhin einen wunderschönen
Abend.
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