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Beitrag
über die palästinensische Sängerin Kamilya Jubran!
Für
RADIOmultikulti / Funkhaus Europa (M 13) - 09. Mai 2003
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Musik! (Gesang von K. J.)
Kommentar:
(voice over)
Ein Fremder in der Welt - Ein Fremder -
In der Entfremdung ist bittere Einsamkeit - und schmerzhafte Trennung
- Sie erinnert mich immer an eine wunderbare Heimat - Ich habe die Welt
bereist - Westwelt, und Ostwelt - Doch den Ort meiner Geburt habe ich
nicht gefunden - noch irgendjemanden, der mich erkannte - oder wenigstens
von mir gehört hatte.
Mit diesem und ähnlichen
Liedern versucht Kamilya Jubran die Sehnsucht der Palästinanser nach
einer selbstbestimmten Heimat zu entfachen.
Seit ihrem 18. Lebensjahr versucht die Palästinenserin, Politisches
Engagement mit künstlerischem Anspruch zu verbinden . Dabei die Balance
zu halten, ist nicht einfach.
O-Ton 1:
In den letzten 22 Jahren habe ich in Zusammenarbeit mit der Gruppe
Sabreen politisierte Musik produziert. In einer Situation wie unserer
kann man nicht politische Probleme ignorieren. Unsere Werke sind aber
keine politischen Statements. Wir haben auf ihren künstlerischen
Gehalt geachtet. Während wir uns mit traditioneller arabischer Musik
beschäftigten, haben wir nach Brücken gesucht, um mit dem Rest
der Welt in Berührung zu kommen. Ich persönlich bin von Blues
und Jazz beeinflusst, und dieser Einfluss ist in meinen Werken deutlich
zu hören.
Musik!
Als kleines Kind war
Kamilya Jubran von ihrem Vater beeinflusst. Der Vater, Instrumentenbauer
und Musiklehrer, weihte sie bereits mit vier Jahren in das klassische
ägyptisch-arabische Gesangsrepertoire ein. Bald durfte die kleine
Kamilya auf den Festen, wo ihr Vater und seine Schüler auftraten,
singen. Ihre Karriere als Sängerin begann aber 1981, nachdem sie
mit der Gruppe Sabreen in Jerusalem aufgetreten war. Sie spielte dort
auch das Saiteninstrument Ghanoon.
Die Gruppe tourte durch die USA, Europa, Asien und Afrika, bevor sie sich
auflöste:
O-Ton 2:
Mit dem Beginn der letzten Intifada durfte die Gruppe keine Konzerte
mehr geben. Unser letztes Tournee war 2001 in Ägypten. Ich selbst
war wegen dem Krieg gar nicht in der Lage, aufzutreten. Also habe ich
beschlossen, mich von der Gruppe zu trennen. Dann habe ich von der Schweizer
Kulturstiftung Pro Helvetia ein Stipendium bekommen. Ich ging in die Schweiz
und die Gruppe Sabreen löste sich auf.
Musik!
Kamilya Jubran lebt
seitdem in Bern. Im Herbst letzten Jahres gab sie in Zusammenarbeit mit
zwei Schweizer und einem französischen Musiker das Solo-Album Mahattaat
heraus, und betrat damit musikalisches Neuland. Mahattaat, zu Deutsch
"Stationen", kombiniert musikalische mit visuellen Elementen.
Kamilya hat in einem Interview ihr neues Werk als Punkte definiert, aus
denen ihr Leben und ihre Musik bestehen.
O-Ton 3:
Das sind Dinge, die ich in meinem leben erfahren habe, alles Leid,
und alle Probleme, die die Palästinenser unter der Bestzungsmacht
erfahren haben. Besonders im kulturellen Bereich, und auf dem Gebiet ...Unser
Leben besteht aus ... Der Krieg hat sie immer...
Musik!
Kamilya Jubran hat
einmal geschrieben: Wir haben Widerstand versucht, wir haben Konfrontation
versucht, wir haben Intifada versucht, wir haben Frieden versucht. Was
bleibt uns noch? Und wohin jetzt?!
Fragen, die den Eindruck erwecken, als wären sie nicht zu beantworten.
Aber bei genauerer derselben Fragen, kann man erkennen, dass nicht alle
Möglichkeiten zur Schaffung des Friedens ausgeschöpft sind.
Kamilya selbst weiß einen eventuellen Ausweg:
O-Ton 4:
Politisch gesehen, gibt es keine Lösung. Momentan würde man
weder durch Diplomatie noch auf der Strasse etwas erreichen. Es gibt auch
keine Rezepte und keine längerfristigen Pläne für die Lösung
der Probleme. Wir müssen also, als einzelner, als Mensch zu Mensch,
zueinander in Kontakt treten, und zur Verständigung beitragen, ob
auf kulturellem Wege oder ...
Musik!
In den islamischen
Gesellschaften haben Künstlerinnen, insbesondere Sängerinnen,
keine nennenswerte gesellschaftliche Stellung. Und die Geschichte hat
uns gelehrt, dass in den Kriegszeiten Frauen keine übergeordnete
Rolle spielen. Kann eine Musikerin wie Kamilya Jubran in einem vom Krieg
erschütterten Land wie Palästina zur Lösung sozialer oder
politischer Probleme beitragen?
O-Ton 5:
Historisch gesehen, zumindest in den letzten 100 Jahren, wurden Frauen,
wenn sie einer Kunst nachgingen, als minerwertige, schmutzige Wesen angesehen.
Auch heute ist noch zum Teil der Fall , obwohl sich die gesellschaftliche
Stellung der Frau gebessert hat. An vielen Orten werden Künstlerinnen
nicht gerade mit Respekt überhäuft. Eine Frau, die den Mund
aufmacht, bekommt Probleme. Es ist immer noch eine Herausforderung.
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