Theaterprojekt
"Herr Don Quichotte"
Über das Stück:
Wahab, 43 Jahre alt, Mikrobiologe, ist eine "revolutionäre Entdeckung"
gelungen: Er hat eine Mikrobenart gefunden, die sich - mit Abfällen
aller Art ernährt - sehr stark vermehrt, und dabei Gase - vor allem
Methan - und mineralienreiches Wasser entstehen lässt. Die Gase kann
man als normales Haushaltsgas und auch in der Industrie nutzen. Das Mineralienreiches
Wasser kann man zur Düngung von Pflanzen, zum Beispiel Algen, verwenden.
Algen sind geeignet als Futter für Vieh und Regenwürmer. Und
die Regenwürmer benutzt man zur Fütterung von Hühnern und
bestimmten Fischen. Auf diese Weise kann Wahab zur Lösung von zwei
wichtigen Problemen der Weltbevölkerung entscheidend beitragen: Müllbeseitung
und längerfristiger Sicherung der Ernährung. Die Voraussetzung
dafür ist die Schaffung eines geeigneten Klimas, in dem die Mikroben
gedeihen können. Das wäre allerdings kein Problem, wenn der
Wissenschaftler nicht zur der "unverfünftigen Entscheidung"
gekommen wäre, seinem "Mutterland" damit einen Dienst zu
erweisen.
Er kehrt nach zwanzigjährigem
"Exilleben" in den Iran zurück, um dort an der optimalen
Entwicklung seiner Bakterien weiterzuarbeiten.
Er hat einen simplen Plan: er braucht nur das Haus, das sein Vater ihm
hinterlassen hat, in ein Laboratorium umzuwandeln, und Sponsoren zu finden
- "ehrliche Iraner, auf keinen Fall ausländische Konzerne".
Doch genau an diesen
beiden Voraussetzungen scheitert sein "großartiges Vorhaben":
Sein Haus hat man zu einer Moschee umgebaut, und niemand nimmt ihn und
seine Entdeckung ernst.
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Der Onkel erzählt
(als "Naghal"): Wahabs Vater habe kurz vor seinem Tod drei Nächte
hintereinander einen - und denselben - Traum gehabt. Man habe ihn im Traum
wissen lassen, dass sein Sohn (Wahab) vom Satan besessen sei. Um ihn "von
diesem gottverdammten Unglück" zu befreien, müsse man entweder
ihn selbst töten, oder ein anderes Opfer bringen, zum Beispiel das
Elternhaus dem Herrn überlassen und es zu einer Moschee machen. Und
da der Vater an seinem einzigen Kind sehr gehangen habe, sei er auf den
"göttlichen Vorschlag" eingegangen und das Haus der "Oughaf"
(Organisation zur Verwaltung des kirchlichen Besitzes) geschenkt, allerdings
mit einer Auflage: Der Apfelbaum im Hof solle Wahab gehören.
Im Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass Wahab als Kind den Baum angepflanzt
und zu ihm - bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr - eine "kumpelhafte
Beziehung" gehabt hat.
Wahab will nicht "so
leicht" aufgeben, kämpft also um das Haus. Ein vergeblicher
kampf, denn: "Eine Moschee in ein Wohnhaus oder Laboratorium umzuwandeln
ist eine Todsünde!
Und bei der Suche
nach Sponsoren erntet Wahab nur Enttäuschung.
Menschen, die ihm helfen können, mißtrauen seiner "revolutionären
Entdeckung", und diejenigen, die an seinen Erfolg glauben, sind nicht
in der Lage, ihm zu helfen.
Er zieht sich immer
mehr von der Gesellschaft zurück und wendet sich dem Apfelbaum und
einem herrenlosen Hund zu, der ihm von der Strasse ins Haus gefolgt ist.
Die Aufführung:
Die Geschichte wird
zum Teil in Form von "NAGHALI" erzählt.
"NAGHALI" ist die älteste Form zur Erzählung des "Königsbuch",
des epischen Meisterwerks von Ferdowsi. Dabei erzählt ein "Naghal"
- an öffentlichen Orten, insbesondere in den Teehäusern - mit
theatralischen Bewegungen und Gesten die Heldentaten der Protagonisten
von "Königsbuch".
Bei "Herrn Don Quichotte" übernimmt "der Onkel"
die Rolle des "Naghals". Diese Doppelfunktion "des Onkels"
schaftt einen Verfremdungseffekt (im Brechtschen Sinne), und gibt dem
ganzen einen experimentellen Charakter.
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